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VOM OBST ZUM OBSTBRAND
Dr Gerd Scholten

 

Als Obst werden die Früchte kultivierter und wild wachsender mehrjähriger Pflanzen bezeichnet. Üblicherweise erfolgt eine Einteilung in Kern-, Stein-, Beerenobst und Südfrüchte. Hauptbestandteile des Obstes sind Zucker und organische Säuren, während Stickstoffverbindungen und Lipide nur in geringer Konzentration vorhanden sind. Der Genusswert wird weitgehend von den Farbstoffen und Aromastoffen bestimmt, während für den Nährwert Vitamine und Mineralstoffe von besonderer Bedeutung sind. Auf Grund der guten ernährungsphysiologischen Zusammensetzung der Inhaltsstoffe (hoher Mineralstoffgehalt, viele Ballaststoffe, Vitamine etc.) wird Obst schon seit langer Zeit von Medizinern zur Erhaltung der Gesundheit empfohlen. 

Gesunde Obst stand früher dem Verbraucher nur dann zur Verfügung, wenn die Reifeentwicklung abgeschlossen war und das Obst im frischen Zustand verzehrt werden konnte. Das Angebot an frischem Obst war wegen der Gefahr des schnellen Verderbens  nach der Ernte jahreszeitlich eng begrenzt. Daher machte man sich schon sehr früh Gedanken darüber, wie man die für die Gesundheit des Menschen wertvollen Stoffe des Obstes konservieren kann, damit der gesundheitsbewusste Verbraucher unabhängig von der Jahreszeit Obst konsumieren kann. 

Credo Nr. 1: Obst - aber erste Qualität! 

Das Getränk, das die ursprüngliche Zusammensetzung des Obstes am besten konserviert, ist das flüssige Obst, der Saft. Zur Saftbereitung wird Obst lediglich gepresst, filtriert und gegen mikrobiologischen Verderb geschützt, etwa durch Pasteurisieren oder andere Methoden. 

Eine andere Art der Obstverarbeitung war die Bereitung von Wein durch die alkoholische Gärung. Diese war schon in grauer Vorzeit bekannt, jedoch wenig erforscht. Meist fand sie unbeabsichtigt statt, weil keinerlei Maßnahmen bekannt waren, diesen natürlich ablaufenden Vorgang zu verhindern. Erst mit der mikrobiologischen Differenzierung von Hefen, Bakterien und Schimmelpilzen wurden die bei der Alkoholbereitung ablaufenden Vorgänge näher untersucht. Dies führte dazu, dass heute der Kellerwirt die Einleitung der Gärung nicht mehr dem Zufall überlässt, sondern die Reaktion gezielt steuert (z. B. durch Zugabe von Reinzuchthefe). Im Vergleich zum Saft ist der vergorene Wein wesentlich haltbarer, da der entstandene Alkohol mikrobiologische Verderbnisreaktionen hemmt bzw verhindert. Durch die alkoholische Gärung haben viele Obstinhaltsstoffe gravierende Veränderungen erfahren, sodass der Wein als Getränk eigener Art anzusehen ist, in dem das Obst als Ausgangsstoff zwar noch dominiert, das aber durch die Vorgänge bei der Gärung einen eigenen Charakter entwickelt. 

Während beim Obst neben den Aromastoffen die Zucker der Frucht den Geschmack prägen, kann der durchgegore Wein völlig zuckerfrei sein. Er erhält seinen Charakter durch die dann sensorisch stärker in Erscheinung tretenden Säuren, die zusammen mit den Bukettstoffen das Geschmacksbild prägen. 

Eine dritte Möglichkeit, dem anspruchsvollen Verbraucher die fruchteigenen Bukettstoffe zur Verfügung zu stellen, ist die Destillation nach vollendeter Gärung. Im Obstdestillat treten von den vielen Obstinhaltsstoffen die fruchteigenen Aromastoffe in ihrer Vielfalt besonders deutlich hervor. Da aber die meisten Aromastoffe sehr empfindliche Verbindungen. sind, ist es besonders schwer, diese zu erhalten und ohne störende Begleitstoffe in das Destillat zu überführen.

 

Inhaltsstoffe des Obstes 

Die Anforderungen, die an das zu verwendende Obst zu stellen sind, hängen im Wesentlichen vom Verwendungszweck ab. Während bei Tafelobst das äußere Erscheinungsbild (Form, Größe und Oberflächenglanz) eine bedeutende Rolle spielt, ebenso wie die Pressbarkeit (Festigkeit der Zellstruktur) bei der Saftbereitung, stehen bei der Verwendung für die Obstbrandherstellung die inneren Werte der Früchte im Hinblick auf die Qualität und die zu erreichende Ausbeute im Vordergrund. Dies sind insbesondere ein hoher Zuckergehalt, d. h. vollständig ausgereiftes Obst, ein ausgeprägtes, sortentypisches Aroma und sauberes, gesundes Obst, das keine schimmeligen und faulen Früchte enthalten darf. 

Die Zusammensetzung des Obstes kann in Abhängigkeit von Sorte und Reifezustand stark schwanken. Von den drei wesentlichen Gruppen an Inhaltsstoffen (Wasser, wasserunlösliche und wasserlösliche Bestandteile) sind für den Obstbrenner überwiegend Letztere von Bedeutung. Diese betragen je nach Obstsorte etwa 10 bis 20 % des Gesamtgewichtes und enthalten folgende Inhaltsstoffe: 

Die festen, wasserunlöslichen Stoffe verbleiben bei der Destillation in der Schlempe, können jedoch sehr wohl das Geschmacksbild des Destillates beeinflussen, da durch die Bildung von Alkohol flüchtige Stoffe (z. B. Hexanol) aus Blättern und Stielen extrahiert werden. Solche Stoffe können bei der Destillation in das Destillat übergehen und sich sensorisch auswirken. 

Zur Beurteilung des Reifegrades von Obst wird üblicherweise die relative Dichte des Obstsaftes in Grad Öchlse bzw. in Brix gemessen. Diese Werte sind jedoch mit Vorsicht zu interpretieren, da sie ausschließlich eine Aussage über den Zuckergehalt machen, der diesen Summenparameter im Obst am stärksten beeinflusst. Die extrem wichtigen Aromastoffe können mit dieser Messmethode allerdings nicht erfasst werden, doch es sind gerade diese, die die Qualität eines Obstbrandes bestimmen, während der aus dem Zucker gebildete Alkohol lediglich Trägerstoff für das Aroma ist. 

Der größte Teil der Kohlenhydrate der Früchte bilden Zucker: Glukose (Traubenzucker) und Fruktose (Fruchtzucker) sowie der aus einem Molekül Glukose und einem Molekül Fruktose zusammengesetzte Zucker Saccharose (Rohrzucker oder Rübenzucker). Der Gehalt an Saccharose in den Früchten ist sehr gering, da dieser Zucker durch das fruchteigene Enzym Glukose und Fruktose gespalten wird. Die genannten Zucker bilden den Gesamtzuckergehalt, der in Abhängigkeit von Obstart, Sorte und Reifegrad erheblichen Schwankungen unterliegen kann. Glukose und Fruktose sind durch Hefen gärbar, d. h. sie werden in Alkohol umgewandelt, und bestimmen dementsprechend die Alkoholausbeute.  

Die Fruchtsäuren sind für die geschmackliche Harmonie des Obstes von entscheidender Bedeutung. Im Obst kommen überwiegend Apfelsäure und Zitronensäure vor, in Trauben ist zusätzlich die Weinsäure vorhanden. Neben den genannten Fruchtsäuren findet sich im Obst eine ganze Reihe weiterer Säuren, die mengenmäßig nicht hervortreten, jedoch teilweise typisch für die Charakterisierung einzelner Obstarten sind. Während der Vergärung von Obstmaische können die Fruchtsäuren einen bakteriellen Abbau erleiden. 

Eiweiße und eiweißhaltige Substanzen sind mengenmäßig von untergeordneter Bedeutung. Zu dieser Gruppe gehören jedoch so wichtige Verbindungen wie die fruchteigenen Enzyme, die die einzelnen Stoffwechselvorgänge (z. B Gärung) lenken und katalysieren, und die Aminosäuren, die als Hefenährstoffe dienen und somit den Verlauf der Gärung fördern. Darüber hinaus sind die Aminosäuren an der Bildung höherer Alkohole und anderer Aromastoffe direkt beteiligt. 

Die phenolischen Stoffe wurden früher oft unter der Sammelbezeichnung "Gerbstoffe" zusammengefasst. Zu ihnen gehören Catechine, Anthocyane und Flavonole. Diese sind unter anderem für die Färbung der verschiedenen Obstarten verantwortlich.  

Credo Nr. 2: Einmaischen - aber erst kontrollieren! 

Polyphenole werden leicht durch Sauerstoff oder Enzyme oxidiert bzw zu größeren Molekülverbänden zusammengeschlossen und bilden dann tiefbraun gefärbte Verbindungen. Dies ist schon an der Verfärbung des Fruchtfleisches bei geschädigten Früchten erkennbar Sensorisch treten Polyphenole durch einen herb-adstringierenden und bitteren Geschmackseindruck hervor. 

  Credo Nr. 3: Nach der Obstkontrolle perfekt säubern! 

Die Vitamine tragen ganz entscheidend zum hohen Stellenwert bei, den Obst in der Ernährung des Menschen hat. In erster Linie ist hier die Ascorbinsäure (das Vitamin C) zu nennen, die vorwiegend in Beerenobst vorkommt. Daneben sind Vitamin A und eine Reihe der B-Vitamine in verschiedenen Obstarten enthalten.

 

Vitamine und Mineralstoffe 

Neben den Vitaminen enthält Obst Mineralstoffe wie Kalium, Calcium, Magnesium, Eisen und Phosphor in ernährungsphysiologisch günstigen Konzentrationsverhältnissen. Ebenso wie Vitamin B1 sind auch die Mineralstoffe wichtige Hefenährstoffe und fördern eine rasche und vollständige Gärung. 

Bei den Aromakomponenten handelt es sich vorwiegend um Alkohole, flüchtige Säuren, Ester (Verbindungen aus einer organischen Säure und einem Alkohol), Aldehyde und Ketone. Je nach Fruchtart, Reifegrad und Herkunft variieren die Konzentrationen der einzelnen Verbindungen bzw Verbindungsgruppen sehr stark. 

Obwohl die Aromastoffe mengenmäßig nur untergeordnete Bedeutung haben (ca. 0,1 % des Gesamtgewichtes), zeigt die Vielzahl der Verbindungen - in Weintrauben wurden über 200 Einzelverbindungen identifiziert - die Schwierigkeiten bei der analytischen Ermittlung der Aromazusammensetzung. 

In der Aromaforschung unterscheidet man im Wesentlichen drei Gruppen von Obstarten. In der ersten Gruppe wird das Aroma entscheidend von einer einzigen Verbindung geprägt. Andere Aromaverbindungen sind zwar vorhanden, spielen jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Als Beispiel ist die Birne zu nennen, deren Aroma von einem Ester (Trans-2-ci-4-decadienoat) geprägt wird.  

Die zweite Gruppe umfasst Obstarten, deren Aroma von einigen wenigen Verbindungen geprägt wird, von denen eine besonders wichtig sein kann. Als Beispiel ist hier Apfel zu nennen, dessen Aroma in erster Linie von einem Ester (Ethyl-2-methylbutyrat) geprägt wird. Ebenfalls entscheidende Bedeutung im Apfelaroma kommt den Verbindungen Hexanal und Hexenal zu. Der Ester verleiht dem Aroma die reife Note, während ein Überwiegen von Hexanal und Hexenal den Eindruck der Unreife und des "grünen" Obstes signalisiert. Alle anderen Aromastoffe sind von nachgeordneter Bedeutung. 

In der dritten Gruppe sind alle Obstarten zusammengefasst, bei denen das Aroma nur mit einer großen Zahl von Verbindungen befriedigend beschrieben werden kann. In diesem Fall wird das Aroma nicht durch eine oder mehrere Aromakomponenten dominiert. Als Beispiele dafür sind Aprikose, Johannisbeere und Pfirsich zu nennen. 

Ein großes Problem der Aromaanalytik liegt in der Korrelation von quantitativen Nachweisen und sensorischen Wahrnehmungen. Die vom Analytiker ermittelte Konzentration gibt noch keine Aussage über die sensorische Bedeutung einer Verbindung. Für die sensorische Wahrnehmbarkeit eines Geschmacks- oder Geruchseindrucks ist der Schwellenwert der betreffenden Verbindung ausschlaggebend. Verbindungen mit einem extrem niedrigen Schwellenwert werden bereits sensorisch wahrgenommen, ohne dass sie analytisch quantifiziert werden können. Andere Verbindungen können in hohen Konzentrationen nachgewiesen werden, wirken sich sensorisch nicht oder nur in geringem Ausmaß aus. 

Beim Apfel, insbesondere bei der Apfelsorte Delicious, beträgt der Schwellenwert für die entscheidende Aromakomponente Ethyl-2-methylbutyrat 10‑4 ppm; dies bedeutet, dass ein Gramm dieser Verbindung in zehn Millionen Kilogramm Äpfeln enthalten ist. 

Neben den Aldehyden und Estern spielt bei einigen Obstarten auch eine Gruppe von Verbindungen eine besondere Rolle, die als Terpene bezeichnet werden. Terpene sind aromatisch riechende, organische Verbindungen, die nach einem einheitlichen Prinzip aufgebaut sind. Die Terpene kommen im Obst nicht in freier Form vor, sondern sind normalerweise an Zuckermoleküle fest gebunden. Sie spielen zusammen mit Estern und Aldehyden eine Rolle in der Aromazusammensetzung von Quitten, Zwetschgen, Pflaumen, Aprikosen, Himbeeren und Brombeeren; bei Trauben stellen sie die dominierenden Aromastoffkomponenten dar. Süßkirschen und Birnen werden im Aroma von Esterverbindungen bestimmt. 

Credo Nr. 4: Vergären nur mit Reinzuchthefen!

 

Das Einmaischen 

Unter dem Begriff Einmaischen wird die Vorbereitung der Obststoffe für die Vergärung bezeichnet. Nach der dringend notwendigen Reinigung des Obstes erfolgt die Zerkleinerung (Pressvorgang) und die Einlagerung in geeignete Maische- und Gärbehälter. Oberstes Gebot bei der Verarbeitung von Obst ist die absolute Sauberkeit. Hierbei ist nicht nur die Reinigung des Obstes gemeint, sondern auch die Sauberhaltung der verwendeten Geräte und Materialien, insbesondere der für die Vergärung vorgesehenen Behälter Vor der Vergärung sind von den mikrobiologisch relevanten Organismen (Hefen, Bakterien und Schimmelpilze) alle drei Arten vorhanden. Nach dem Zerkleinern und dem Zerstören der Zellmembranen liegen die Inhaltsstoffe der Zellen (insbesondere der Zucker) in freier Form vor und stellen eine ideale Nahrungsgrundlage für die genannten Mikroorganismen dar. Schützende Wirkungen des Alkohols bzw. des Kohlendioxids sind noch nicht wirksam. Insbesondere eine Schimmelpilzinfektion ist in diesem Stadium besonders gefährlich, da Stoffe gebildet werden, die später als Schimmelton identifiziert werden. Darüber hinaus können Schimmelpilze Mykotoxine bilden, die toxische Eigenschaften haben. 

Die Wahrscheinlichkeit einer bakteriellen Infektion ist in hohem Maße vom pH-Wert, d. h. vom Säuregehalt des Obstes abhängig. Je höher der Säuregehalt der Maische, desto schlechter sind die Wachstumsbedingungen für Bakterien, aus diesem Grund ist es empfehlenswert, säurearme Obstarten anzusäuern. Dies geschieht üblicherweise durch den Zusatz von Schwefelsäure. Der pH-Wert wird auf etwa 3,0 eingestellt. Dies ergibt eine ausreichende Sicherheit gegenüber bakteriellen Infektionen. Grundsätzlich sind zum Ansäuern von Maischen alle Säuren geeignet, die nicht mikrobiologischen Veränderungen unterliegen. 

So sind Williams-Christ-Brände ohne Ansäuern der Maische als qualitativ hochwertige und reintönige Destillate schwer zu erzielen. Auch bei Quitten, Süßkirschen, Zwetschgen, Pflaumen und Aprikosen ist ein Ansäueern anzuraten. Bei Trauben, Himbeeren, Brombeeren und einigen Apfelsorten ist der Säuregehalt des Mostes so hoch, dass sich ein Ansäuern erübrigt. 

Die Voraussetzungen für ein reintöniges und sortentypisches Destillat werden bereits bei der Reinigung des Obstes geschaffen. Hier ist nicht nur darauf zu achten, dass schimmelige bzw. angefaulte Ware aussortiert wird, es müssen auch Nicht-Obststoffe (Schmutz, Blätter, Stiele etc.) entfernt werden. Bei der Gärung können aus diesen Stoffen durch den sich bildenden Alkohol unerwünschte Aromakomponenten gelöst werden, die das sortentypische Bukett des Obstes überlagern bzw. verändern. 

Beim Zerkleinerungsvorgang sollte bei Steinobst darauf geachtet werden, dass nicht mehr als 5 % der Steine beschädigt werden, da sie Amygdalin enthalten, das durch fruchteigene Enzyme in Glukose, Benzaldehyd und die giftige Blausäure aufgespalten werden kann. Benzaldehyd und Blausäure sind als flüchtige Substanzen demnach auch in Steinobstdestillaten enthalten und bilden den so genannten "Steingeschrnack", der das fruchteigene Aroma stören kann. 

Beim Einmaischen des Obstes sollen die für die Gärung notwendigen Zuckermoleküle für die Hefen in frei zugänglicher Form vorliegen. 

Voraussetzung hierfür ist ein Zerstören der Zellmembranen, in denen die Zuckermoleküle eingeschlossen sind. Dies geschieht üblicherweise durch Pressen. Der Pressdruck allein entscheidet jedoch nicht über die Freisetzung des Saftes, zusätzlich müssen die Zellmembranen enzymatisch abgebaut werden. Dies geschieht üblicherweise durch fruchteigene Enzyme. Die Wirkung dieser Enzyme kann durch Zusatz pektolytischer Enyzyme wesentlich baschleunigt werden. 

Credo Nr. 5: Die Vergärung braucht tägliche Kontrolle! 

Die Zellmembranen werden aus Pektinen gebildet. Pektine sind hochmolekulare, organische Stoffe, die teilweise mit Methanol verestert sind. Durch die Einwirkung fruchteigener oder zugesetzter pektolytischer Enzyme werden diese langkettigen Moleküle der Zellmembran aufgespalten und teilweise wird Methanol freigesetzt. Durch den Zusatz pektolytischer Enzyme wird nicht nur eine höhere Saftausbeute beim Pressen, sondern auch eine bessere Verflüssigung der Maische erzielt. 

Es ist sehr wichtig, nach dem Pressvorgang, d. h. nach dem Zerstören der Zellmembranen, die Gärung umgehend einzuleiten. Dies ist erforderlich, da beim Zerstören der Zellmembranen die fruchteigenen Enzyme, die in der intakten Zelle geschützt sind, freigesetzt und wirksam werden. Dies zeigt sich beispielsweise in der Verzuckerung (Umwandlung von Stärke in Zucker) und beim "Braunwerden" der Maische. Dies ist eine Veränderung der Polyphenole, die durch fruchteigene Enzyme oxidiert werden (enzymatische Bräunung). Vergleichbare Effekte können durch den Luftzutritt (Oxidation) zur Maische erfolgen. Diese Veränderungen sind der Qualität des Erzeugnisses abträglich. 

Darüber hinaus besteht in diesem Stadium die Gefahr der Infektion durch Essigsäurebakterien. Diese verwandeln das in Spuren gebildete Ethanol (Alkohol) in Essigsäure. Da es sich hierbei um Bakterien handelt, die nur unter Anwesenheit von Luftsauerstoff arbeiten können, ist die Gefahr einer Infektion vor Beginn der Gärung am größten. Diese Bakterien können durch die Bildung von Essigsäure einen Essigstich verursachen, der im Extremfall zur Ungenießbarkeit des Erzeugnisses führen kann.

 

Die Vergärung 

Die Vergärung ist die Umwandlung von Zucker (Glukose und Fruktose) in Alkohol (Ethanol) und Kohlendioxid durch Hefen der Gattung Saccharomyces cerevisiae (wörtlich übersetzt: zuckerspaltende Pilze). Diese Umwandlung wird von den genannten Hefen in Abwesenheit von Sauerstoff zur eigenen Energiegewinnung durchgeführt. Die Gärung verläuft über zahlreiche Zwischenstufen unter Aufspaltung der Zucker (Glykolyse) und Umwandlung (Reduktion) des entstandenen Acetaldehyds zu Ethanol (Alkohol). Als Nährstoffe benötigt die Hefe Aminosäuren (Eiweißbestandteile), Mineralstoffe und Vitamin B1. Diese sind üblicherweise in den verwendeten Obststoffen in ausreichender Konzentration vorhanden. 

Reichen diese im Einzelfall nicht aus, so führt dies zwangsläufig zum "Steckenbleiben" der Gärung bzw. zu Fehlgärungen, sofern nicht durch den Zusatz von so genannten Gärsalzen Alkohol geschaffen wird. Ublicherweise setzt bei eingemaischten Obststoffen die Gärung nach wenigen Tagen selbstständig ein (Spontangärung). Verantwortlich hierfür sind die in der Natur vorhandenen Hefen. Da im Einzelfall nie bekannt ist, welche Hefen in der Umgebung des Gärgutes dominieren, geht man in zunehmendem Maße dazu über, die Gärung durcl gezielten Zusatz von Reinzuchthefen einzuleiten. Diese Reinzuchthefen sind isolierte Hefestämme, die durch natürliche Selektion und Züchtung aus Gärungsansätzen gewunnen wurden und deren Eigenschaften genau bekannt sind. Hefen werden heute überwiegend in getrockneter Form im Handel angeboten und müssen vor Gebrauch vorbereitet werden. 

Nach Einsetzen der Gärung bildet das entstehende Gärgas (Kohlendioxid) eine Schutzatmosphäre über der Maische, die unter anderem vor Oxidation durch Luftsauerstoff schützt. Diese Schutzatmosphäre verhindert, dass Schimmelpilze und Essigbakterien wirksam werden können. 

Wichtig ist die Gärtemperatur. Eine Anstelltemperatur von weniger als 10 °C sollte unbedingt vermieden werden, da die Hefen bei diesen Temperaturen nicht mehr zur Gärung fähig sind. Die ideale Anstelltemperatur liegt zwischen 15 und 20 °C. Temperaturen von mehr als 25 °C sind zu vermeiden, da infolge der Steigerung der Gärintensität mit Aromaverlusten zu rechnen ist. 

Leicht vergärbare Obststoffe (z. B. Kernobst) benötigen eine normale Gärzeit von etwa zwei bis drei Wochen. Schwerer vergärbare Obststoffe (z. B. Zwetschgen oder Schlehen) können eine Gärdauer bis zu sechs Wochen erfordern. 

Zur Vermeidung einer Phasenbildung (Ansammlung von Fruchtfleisch an der Oberfläche) und einer hieraus resultierenden unvollständigen Vergärung kann es erforderlich sein, die Maische vorsichtig in gewissen Zeitabständen während der Gärung umzurühren. 

Der Zusatz von Zucker vor bzw. während der Gärung ist nicht erlaubt und führt lediglich zu einer Ausbeutesteigerung, nicht jedoch zu einer qualitativen Verbesserung des Produktes. 

Neben den Hauptprodukten der alkoholischen Gärung (Ethanol und Kohlendioxid) entstehen wichtige Nebenprodukte des Hefestoffwechsels wie Glycerin, Acetaldehyd und Fuselöle. Während sich die Bildung von Glycerin in der Weinbereitung positiv auswirkt, versucht man bei der Auswahl von Hefen für die Vergärung von Brennmaischen die Glycerinbildung so gering wie möglich zu halten. Dies geschieht aus zwei Gründen: 

1. Glycerin stellt eine Vorstufe für einen sehr unangenehmen Fehler des Obstbrandes dar, die Entstehung von Acrolein. 

2. Die Glycerinbildung führt zu einer Verminderung der Ausbeute, da der Zucker, der in Glycerin umgewandelt wird, für die Alkoholbildung nicht mehr zur Verfügung steht. Die anderen genannten Gärungsnebenprodukte (Acetaldehyd und Fuselöle) gehen in das Destillat über. Acetaldehyd ist eine typische Vorlaufkomponente, die auf Grund ihres scharfen und stechenden Geruchs und Geschmacks weitgehend abzutrennen ist, während die Fuselöle im Haupt- bzw. Nachlauf zu finden sind und das sortentypische Aroma teilweise mitbeeinflussen. Fuselöle sind höhere Alkohole mit zwei bis fünf Kohlenstoffatomen. Die wichtigste Komponente unter den Fuselölen ist das 3-Methyl-butanol-1, der so genannte Isoamylalkohol. Fuselöle werden während der Gärung aus Aminosäurekomponenten und Zucker gebildet. Insbesondere bei Steinobst können sich während der Gärung unerwünschte Stoffe wie Blausäure und Ethylcarbamat bilden. Für beide Stoffe hat der Gesetzgeber Höchstgrenzen festgelegt. Die Entstehung der Blausäure ist auf die Zerstörung von Steinen und den enzymatischen Abbau des Amygdalins zurückzuführen. Die Blausäure ist unter anderem auf eine Vorstufe für die Entstehung des Ethylcarbamats zurückzuführen, das bei der Destillation in das Destillat übergeht. Vorsichtsmaßnahmen wie Einmaischen gesunder Früchte weitgehend ohne Steinzerstörung, Vergärung unter Säureschutz, Verwendung von Reinzuchthefen etc. führen zu einer Vermeidung der Ethylcarbonatbildung. 

In der abklingenden Gärung vollzieht sich ein enzymatischer Prozess, der für alle Obstarten von besonderer Bedeutung ist, deren Aroma durch Terpenverbindungen geprägt wird. Durch fruchteigene Enzyme werden die an Glukosemoleküle gebundenen Terpene freigesetzt und können dementsprechend ihre sensorische Wirkung entfalten und in das Destillat übergehen. 

Im Verlauf der Gärung ändert sich die stoffliche Zusammensetzung der Maische weitgehend. Mit zunehmender Alkoholkonzentration werden Stoffwechselvorgänge wie z. B. die Reaktion von Fruchtsäuren mit Alkohol zu neuen Aromakomponenten, den Estern, ermöglicht. Diese so genannten sekundären Ester bilden zusammen mit den in der Frucht vorhandenen primären Estern das sortentypische Bukett von verschiedenen Obstsorten wie Birnen, Äpfeln etc. Zahlreiche dieser Aromakomponenten sind oxidationsempfindlich. Deshalb ist es von besonderer Wichtigkeit, nach vollendeter Gärung die Maische vor Luftsauerstoff zu schützen. Eine lange Wartezeit zwischen dem Ende der Gärung und der Destillation sollte vermieden werden. 

Die Destillation 

Durch den Brenn- oder Destillationsvorgang wird der in der Maische enthaltene Alkohol zusammen mit den aromagebenden Stoffen von den übrigen Bestandteilen abgetrennt. Alle unlöslichen Bestandteile der Maische wie Steine, Kerne, Stiele, Häute, Schalen, Fruchtfleischreste und Hefen bleiben zusammen mit den nichtflüchtigen Inhaltsstoffen wie Glycerin, Mineralstoffe, Eiweiße, phenolische Substanzen und Farbstoffe als Rückstand in der Brennblase (Schlempe) zurück. Lediglich die leicht flüchtigen Komponenten wie Aldehyde, Ester, Alkohole, Säuren, Acetale und Terpene gehen in das Destillat über. 

Credo Nr. 6: Wenig Hitze schont das Destillat! 

Die Destillationstechnik hat sich im Laufe der Jahre von der getrennten Gewinnung eines Rau- und Feinbrandes hin zur einmaligen Destillation mit Verstärkungseinrichtungen (Boden und Dephlegmator) entwickelt. Die Brennblase wird meist indirekt beheizt und besteht meist aus Kupfer. Der Vorteil des kupferhaltigen Materials liegt in der Entfernung von leicht flüchtigen, schwefelhaltigen Verbindungen durch Bildung schwer löslicher Kupfersalze, die in der Schlempe zurückbleiben. 

Aus der Sicht der Destillationstechnik ist die Obstbrandherstellung eine "unvollständige" Destillation. Dies ist erforderlich, da bei einer vollständigen Destillation fast alle Aromastoffe aus der alkoholischen Phase entfernt wurden. Die Destillation muss einerseits so unvollständig sein, dass die Aromastoffe in das Destillat mit übergehen, andererseits muss der Verstärkungsgrad der Destillation so hoch sein, dass eine ausreichende Alkoholanreicherung im Destillat erfolgt. Die Nutzung der Verstärkungseinrichtungen (Boden und Dephlegmatoren) obliegt dem Fingerspitzengefühl des Brenners. Zur Herstellung von aromaintensiven Williamsbränden beispielsweise ist die zurückhaltende Handhabung dieser Verstärkungseinrichtungen empfehlenswert. 

Die bei der Destillation anfallende alkoholische Phase (Destillat) wird beim Brennen in VorIauf, Hauptlauf und Nachlauf fraktioniert. Diese Auftrennung ermöglicht dem Brenner die Verminderung der Konzentration unerwünschter Begleitstoffe, die sich entweder im VorIauf oder im Nachlauf anreichern. So werden im VorIauf niedrig siedende und leicht flüchtige Stoffe wie Acetaldehyd, Essigsäureethylester und teilweise Methanol angereichert. Diese Stoffe würden dem Obstbrand einen scharfen und stechenden Geruch bzw. Geschmack geben und eine Verfälschung des Aromas hervorrufen. Als Faustregel gilt, dass pro 100 Kilogramm Maische etwa ein bis zwei Liter VorIauf abzutrennen sind. Die entwickelten automatisierten Verfahren zur Vor- und Nachlaufabscheidung ermöglichen zwar eine Destillation ohne Aufsicht, können jedoch dem individuellen Charakter der einzelnen Maische nicht gerecht werden. 

Im Nachlauf reichern sich je nach Obstart die schwerer flüchtigen Fuselöle, höhermolekulare Terpene und ätherische Ole an. Diese würden dem Destillat eine muffig-dumpfe Geschmacksbeeinträchtigung verleihen. Vor- und Nachlauf sollten verworfen werden. Die oft praktizierte Verfahrensweise der Sammlung von Vor- und Nachlauf und des Rückverschnitts dieser Anteile in den folgenden Brand sind der Erzeugung hochwertiger Qualitatsbrände abträglich. 

Nach den allgemeinen Regeln der Destillationstechnik eine langsame Destillation auf Grund der vollständigeren Trennung einer schnellen Destillation immer vorzuziehen. 

Durch Fehler bei der Destillation (z. B. Anbrennen der Maische in der Brennblase durch lokale Überhitzung der Maische, zu schnelles Abbrennen, ungenügende Vor- bzw. Nachlaufabtrennung) kann auch die beste Maische zu einem minderwertigen Obstbrand destilliert werden. Nur die konsequente Vermeidung aller Fehler in der gesamten Phase der Obstbrandbereitung vom Einmaischen über die Vergärung bis zum fertigen Destillat kann zu einem qualitativ hochwertigen Enderzeugnis führen.

 

Die Lagerung 

Die Erfahrung hat gezeigt, dass die nach dem Brennen gewonnenen Destillate (Mittelläufe) nicht sofort auf Trinkstärke verdünnt und filtriert werden sollten. Vielmehr sind sie einer Lagerung in größeren, inerten Gebinden zu unterziehen, damit der bei der Sensorik vorherrschende unfertige und unharmonische Geschmack und Geruch eine Harmonisierung erfahren kann. Während der Destillatlagerung geht eine Reihe chemischer Prozesse vor sich, die zu einer besseren Aromabildung beitragen. Zu nennen ist hier die bereits im Endstadium der Gärung einsetzende Reaktion von organischen Säuren mit Alkohol zu Estern. Die für den unharmonischen und scharfen Geschmackseindruck verantwortliche Gruppe der Aldehyde reagiert mit Alkohol zu Acetalen, die sich geschmacklich wesentlich sortentypischer, harmonischer und feiner bemerkbar machen. Bei diesen Lagerungs- und Reifungsprozessen spielen oxidative Vorgänge eine nicht unerhebliche Rolle. Aus diesen Gründen wird häufig empfohlen, darauf zu achten, dass das hochprozentige Destillat einen geringfügigen, aber ausreichenden Luftkontakt hat. Lediglich bei der Lagerung und Reifung von Williams-Christ-Destillaten besteht die Gefahr, dass die sortentypischen Esterkomponenten auf Grund einer Oxidation ihre Struktur und ihre sensorische Wahrnehmbarkeit verändern. 

Credo Nr. 7: Beim Lagern auf die Stärke achten!

 

Herabsetzen auf Trinkstärke 

Die meisten Destillate (Mittelläufe) weisen einen über der Trinkstärke von ca. 40 bis 45 Vol.% liegenden Alkoholgehalt auf und müssen nach erfolgter Lagerung auf Trinkstärke herabgesetzt, d. h. mit Wisser verschnitten werden. Hierbei sind die gesetzlich festgelegten Mindestalkoholgehalte für die einzelnen Obstbrände zu berücksichtigen. Die Auswertung umfangreicher Versuchsserien hat gezeigt, dass Alkoholgehalte um 40 Vol.% das obsttypische Aroma am besten zur Geltung bringen, doch höhere Alkoholgehalte haben bei Spezialitäten wie Zigarrenbränden etc. durchaus ihre Berechtigung. 

Zur Verdünnung (Herabsetzung auf Trinkstärke) von Destillaten wird geeignetes Quellwasser oder sehr weiches bzw. enthärtetes Trinkwasser verwendet. Nach allgemeiner Erfahrung kann Leitungswasser bis zu 4 ° deutscher Härte ohne weitere Aufbereitung verwendet werden. Da härteres Wasser mehr Magnesium-  bzw. Calciumverbindungen enthält, können diese wegen ihrer geringeren Löslichkeit in Alkohol beim Zusetzen zum Destillat ausfallen (Trübungen). Bei Verwendung von Quellwasser muss zusätzlich auf den Gehalt an Eisen und Mangan geachtet werden, da diese ebenfalls zu sehr unansehnlichen braunen Trübungen führen können. 

Das zum Verdünnen verwendete Wasser wird üblicherweise durch Behandlung mit einem Kationen-Austauscher enthärtet, d. h. die härtebildenden Calcium- und Magnesiumverbindungen werden in die entsprechenden Natriumsalze umgewandelt. Diese weisen höhere Löslichkeit auf und führen dementsprechend nicht zu Trübungen. Neben Trübungen durch Härtebildner des Verschnittwassers können zwei weitere Trübungsarten auftreten, die durch sauberes Arbeiten vermieden werden. Es handelt sich hierbei um Verunreinigungen durch makroskopisch feste Teilchen (Schmutzpartikel) bzw durch Metallionen, die bei Lagerung, Destillation oder durch Verschnittwasser ins Destillat gelangen und als Oxide, Hydroxide oder organische Komplexe ausfallen können. Daneben können Trübungen durch Öle, Terpene und Fuselöle bzw höhere Fettsäureester auftreten, die mittels technologischer Vorsichtsmaßnahmen kaum zu beseitigen sind. Eine verstärkte Abtrennung des Nachlaufs kann in vielen Fällen Abhilfe schaffen; eine Garantie zur Vermeidung dieser Trübungen kann jedoch nicht gegeben werden. 

Das Auftreten von Ausfällungen wird meist nicht spontan beobachtet, sondern erfolgt oft erst bei der Lagerung. Art und Ausmaß der entstehenden Trübungen hängen stark von Lagertemperaturen ab. Je tiefer die Temperaturen, desto früher und intensiver ist mit dem Auftreten von Trübungen zu rechnen, die bei anschließender Temperatursteigerung oft nicht mehr vollständig verschwinden. 

Credo Nr. 8: Vorm Verschneiden Wasser prüfen! 

Da Obstbrände beim Konsumenten häufig falsch, nämlich im Kühlschrank aufbewahrt werden, müssen Obstbrände im Hinblick auf die Kaltlagerung stabilisiert werden. Dies geschieht üblicherweise durch ein- bis zweiwöchige Lagerung des auf Trinkstärke herabgesetzten Destillates bei Temperaturen zwischen 0 und –10 °C in speziellen Kühlräumen oder auch bei kleineren Partien in der Haushaltskühltruhe. 

Nach der Kühlung müssen die entstandenen Trübungen abfiltriert werden. Hierbei werden in der Praxis häufig Fehler gemacht. Wchtig ist, dass Filtration und Aufbewahrung zur Stabilisierung bei der gleichen Temperatur erfolgen, da sich ausgefallene Verbindungen durch einen eventuellen Temperaturanstieg erneut lösen könnten. Zur Filtration dürfen neben den Filtermaterialien nur inerte Werkstoffe verwendet werden, von denen keine Schwermetalle oder andere Stoffe an den Obstbrand abgegeben werden können (z. B. Edelstahl).

 

Inhaltsstoffe des Obstbrandes 

Der Obstbrand lebt - wie beschrieben - von den zahlreichen Aromastoffen, die bei der Destillation durch den Alkohol aus der Maische in das Destillat überführt werden. Bei den Aromastoffen unterscheidet man: 

1. Die originären Bukettstoffe der unverletzten pflanzlichen Zellen (Primäraroma);

2. die sekundären Bukettstoffe, die durch chemische, enzymatische und thermische Reaktionen bei den Verarbeitungsprozessen (Mahlen, Pressen, Einmaischen) entstehen;

3. das Gärbukett, d. h. Aromastoffe, die während der alkoholischen Gärung gebildet werden und

4. das Lagerungs- bzw Alterungsbukett, d. h. Aromastoffe, die durch chemische Reaktionen im Verlauf der Lagerung gebildet werden. 

Zur Erzielung eines qualitativ hochwertigen Edelbrandes sind alle vier genannten Aromastoffgruppen von Bedeutung. Es ist nicht möglich, aus einer verdorbenen Maische unter Verwendung modernster Destillationstechniken einen Qualitäts‑Edelbrand zu erzeugen, umgekehrt ist es jedoch kein Problem, aus einer hochwertigen Maische durch Destillatfehler einen minderwertigen Obstbrand zu erzeugen.

 

Off-Flavour (Fehler bei Obstbränden) 

Off-Flavour ist ein Begriff in der internationalen Literatur, der für artfremde, nicht charakteristische Geruchs- und Geschmacksstoffe, die bei der sensorischen Prüfung von Lebensmitteln auftreten, verwendet wird. Off-Flavours werden durch unerwünschte Aromanoten hervorgerufen. In diesen Bereich gehören verschiedene Obstbrandfehler, die durch faules Obst, verschiedene Fremdinfektionen der Maische, durch zu lange Standzeiten oder durch Brennfehler (z. B. ungenügendes Abtrennen von Vor- und Nachlauf) verursacht werden. 

Nur das Zusammenwirken aller genannten Aromastoffgruppen und das strikte Vermeiden von Fehlerquellen führt zur Erzeugung eines insgesamt qualitativ hochwertigen Edelobstbrandes.