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Grappa

Geschichte/Wissenswertes 

Die Grappa ist das „hochgeistige“ Nationalgetränk Italiens, das ab den 1960er Jahren einen erstaunlichen Siegeszug durch die internationale Gastronomie antrat. Doch die Spuren der Entstehungsgeschichte verlieren sich im Dunkel der Geschichte ...

Die Grappa-Wurzeln lassen sich bis ins 5. Jahrhundert zurückverfolgen, doch ob es letztendlich Burgunder im Friaul oder Araber auf Sizilien waren, die man als die wahren „Erfinder“ ansehen soll, wird wohl nie ganz geklärt werden. Sicher ist aber, dass bereits im 15. Jahrhundert damit ein reger Handel über die Grenzen stattfand. Die Erzeugung war damals schon reglementiert, konzessioniert und mit Zöllen belegt – Anreiz für groß angelegten Grappa-Schmuggel. Fazit: Den Bauern wurde erlaubt, für den Eigenbedarf zu brennen. Daraus entstand die Verfeinerung der Produktion, die bis heute weiterentwickelt wurde – und für eine verblüffende Wandlung vom Bauernschnaps zum Edeldestillat sorgte.

Heute darf der bei der Weinerzeugung anfallende Trester nicht anderweitig verwendet werden, sondern muss von den Winzern an eine der rund 120 Destillerien geliefert werden, die den von ihnen erzeugten Alkohol nach einer vorgeschriebenen staatlichen Kontrollanalyse an die rund 4.000 regionalen Abfüller abgeben. Die Vielfalt der angebotenen Grappe – im Gegensatz zur nivellierenden industriellen Produktion, bei der Feinheiten von Aroma und Sorte verloren gehen – rührt von der breiten Spielwiese von „Korrekturmöglichkeiten“ durch Zugabe von Zucker (bis zu 20 Gramm pro Liter) sowie den erlaubten Zusatz von drei Prozent Aromastoffen, anderen Destillaten etc. Das führt zu, dass reinsortiger Grappa nur in Kleinstbetrieben oder am Papier erzeugt wird ...

 

Erzeugung 

Grappa ist ein so genannter Tresterbrand und wird aus den festen Rückständen bei der Weinherstellung – Kerne, Schalen, Kämme usw. – hergestellt, und zwar durch direkte Destillation ohne Zugabe von Traubenmost oder Wein. Je frischer das Ausgangsmaterial, umso mehr bleiben die primären Fruchtaromen im fertigen Brand erhalten. Renommierte Erzeuger legen daher Wert darauf, nur immer so viel Trester anliefern zu lassen, dass möglichst rasch nach dem Abpressen der Trauben gebrannt werden kann. Mehrheitlich wird allerdings das gekühlte, getrocknete Material über längere Zeit gelagert, bis es weiterverarbeitet werden kann.

Traditionell wird in Italien die Grappa nach dem so genannten „kontinuierlichen Verfahren“ hergestellt. Die Brennkessel werden großteils direkt beheizt, was immer die Gefahr des „Anbrennens“ in sich birgt. Moderne Betriebe haben auf Beheizung mit Dampf umgestellt, während man hochwertige Wasserbad-Brennereien äußerst selten findet.

Durch das Erhitzen der Trester wird der Alkohol herausgekocht und zum Verdampfen gebracht. Der Dampf läuft über mehrere Kolonnen und wird immer stärker rektifiziert, d. h. der Alkoholgehalt wird von Kolonne zu Kolonne höher. Der „ölige“ Charakter der Grappe stammt von den hohen Temperaturen bei der Herstellung (100 bis 120 °C).

 

Diskussionsthema Zuckerbeigabe

In Italien heißt es, dass Grappa stark sein soll, aber nicht brennen darf, sondern warm, weich und fruchtig schmecken. Daher ist auch die Zuckerung ein Thema. Nach italienischem Gesetz dürfen bis zu 20 Gramm Zucker pro Liter Alkohol beigemengt werden (in das trinkfertige Produkt). Es gibt nur eine Handvoll Brenner, die keinen Zucker beimengen, etwa Vittorio Capovilla. Als Faustregel kann gelten: Gute Grappe haben zwischen 8 und 14 Gramm Zucker pro Liter, je minderwertiger ein Produkt, desto mehr Zucker.

 

Lagerung 

Grappa wird hauptsächlich jung getrunken – nach einem Essen, als Begleiter zum Kaffee oder gleich direkt in den Kaffee als „Ristretto“. Das Destillat wird sehr oft durch Lagerung in Holzfässern verfeinert, wobei die Sortenviefalt des Holzes je nach „Konzept“ von Eiche und Esche über Apfel, Birne und Kirsche bis zu Kastanie, Wacholder oder Maulbeere reicht.

Je nach Verwendungszweck kommen Fässer mit unterschiedlichem Fassungsvermögen zum Einsatz. Die Palette reicht vom kleinen 27-l-Fass für Spezialitäten über französische Barriques (220 bis 450 l) bis zu großen Eichenfässern aus Slowenien mit einem Fassungsvermögen von 2.000 bis 10.000 Litern.

 

Herkunft/Charakter/Bezeichnungen

Überall dort, wo Wein wächst, findet man auch Grappa-Produzenten – hauptsächlich jedoch im Norden Italiens. Grappa kann aus dem Trester einer oder mehrerer Sorten gewonnen werden, doch immer mehr kommt sortenreines Traubengut zur Verarbeitung, das bei sorgfältiger Erzeugung die typischen geschmacklichen Merkmale aufweist. Neben den traditionellen Weißweinsorten werden immer mehr Grappe aus roten Rebsorten hergestellt. Beliebt sind nach wie vor Grappa-Varianten, die mit Kräutern und Essenzen aromatisiert werden.

 

Junge Grappa: eher neutraler Geschmack der Rebsorte, keine Zugabe von Kräuteressenzen und keine Lagerung in Holzfässern

Junge aromatische Grappa: aus aromatischen Rebsorten hergestellt, ansonsten wie oben

Im Holzfass gelagerte Grappa: nur kurze Lagerzeit im Holzfass

Im Holzfass gelagerte aromatische Grappa: aus aromatischen Rebsorten hergestellt und für kurze Zeit im Holzfass gelagert

Alte Grappa (Zusatzbezeichnungen invecchiata, stravecchia, riserva): mindestens sechs Monate im Holzfass gelagert

Alte aromatische Grappa: aus aromatischen Rebsorten destilliert, ansonsten wie oben

Aromatisierte Grappa: wird mit Kräutern und Pflanzenteilen versetzt (Wacholder, Rosmarin, Beeren ...)

 

Gläser-Tipp

Wob-Edel, WOB-Cognac, Riedel Grappa

 

Trinktemperatur

16 bis 18 Grad Celsius

 

Gesetz

Die Verordnung (EWG) Nr. 1576/89 bestimmt, dass die Bezeichnung "Grappa" nur für einen in Italien hergestellten Tresterbrand verwendet werden darf. Nach einem im Jahre 1999 zwischen der Schweiz und der EU abgeschlossenen Abkommen über den Handel mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen ist der Schutz von Grappa auf das Tessin ausgedehnt worden.

Der Mindestalkoholgehalt des trinkfertigen Produktes muss bei 37,5 Vol. % liegen.

Die Herstellung ist gesetzlich geregelt, das beginnt bei der Maische bzw. beim Trester und hat erst nach dem Abfüllen und dem Anbringen der Banderole ihr Ende.

 

Institutionen

Centro Studi e Formazione Assagiatori, Associazione Nazionale Assaggiatori Grappa


Grappa-Produzenten

Siehe "Link-Seiten" in www.world-spirits.com oder im "World-Spirits Online Guide" umfassend!