INSIDE WORLD SPIRITS -- Special "Richtig Verkosten" -- Episode #1

Die Bewertung erfolgt nach Wolfram Ortners Spirituosen-System. Dies ist ein speziell auf Spirituosen zugeschnittenes 100-Punkte-System mit fünf Bewertungskriterien.

A. Kriterien

1. Duft - Typizität und Intensität

Dabei werden die Intensität der Aromatik eines Produktes und auch der typische Sortengeschmack bewertet. Es ist in Verkostertrainings festzulegen, was bei einer Frucht als positiv und negativ zu bewerten ist, beispielsweise kann eine Himbeere zitrusfruchtig, heuig, leicht marzipanig oder eben typisch fruchtig sein. Bei Spirituosen mit besonderen Kriterien bei der Herstellung (z. B. Grappa mit Zucker- und Aromazusatz) ist ein anderes Produktverständnis notwendig, auch die Konsumentenerwartungen sind Voraussetzung für eine möglichst objektive Bewertung.

Dem Verkoster bleibt überlassen, ob er das Produkt als z. B. "ok" (O) oder als "sehr gut" (+) einstuft. Das "ausgezeichnet" (++) versteht sich nur als Regulierung bei mehr als 95 Punkten. Jedes (+) pro Kategorie erhöht die Bewertung um einen Punkt. Realistisch ist die Anhebung bei Duft, Geschmack und Harmonie - bei den "Sauberkeitskriterien" sollte nur erhöht werden, wenn es sich um ein ganz außergewöhnliches Produkt handelt und 99 oder gar 100 Punkte vergeben werden sollten.

2. Duft - Sauberkeit, Fehler

Hier schlagen sich Fehler im Geruch aufgrund mangelnder Sorgfalt in der Verarbeitung bzw. Destillation negativ nieder (Vorlauf, Nachlauf ...). Sobald ein Produkt auch nur einen leichten Fehler aufweist, ist es mit (- -) zu beurteilen. Ist das Produkt in Ordnung, dann ist es mit (+) zu bewerten.

3. Geschmack - Typizität und Intensität

Der intensive Geschmack und auch die Sortentypizität eines Produktes werden positiv bewertet. Negativ werden "schwachbrüstige" oder nicht sortentypische Produkte bewertet.

4. Geschmack - Sauberkeit, Fehler

Hier schlagen sich geschmackliche Fehler zu Buche, ansonsten ist hier wie bei Punkt 2 vorzugehen und ausschließlich mit (+) oder (- -) zu bewerten.

5. Harmonie

Die allgemeine Harmonie aus Duft, Geschmack, Alkohol (sowie Holz oder Zucker) und die Dichte und Komplexität der Spirituose werden als letztes Kriterium zur Wertung herangezogen und runden das Ergebnis ab.

Kaffee-Destillate

Kaffee-Destillate müssen generell mit Kaffee harmonieren. Diese Produkte zeichnen besondere Dichte, Länge und Süße aus. Sie können im Holzfass gelagert sein, aber auch auf der Basis von Steinobst, Trauben oder Wildfrüchten destilliert sein. Produkte in der Kategorie „Kaffee-Destillate“ werden hinsichtlich der angeführten Kriterien wesentlich strenger in der Harmonie bewertet als Spirits in anderen Gruppen.

Zigarren-Destillate

Zigarren-Destillate müssen zum Rauchgenuss perfekt passen – die Bandbreite der Zigarren reicht von dominikanischen (leichten) bis kubanischen (schweren). Die Destillate müssen im Holzfass gelagert sein und besondere Dichte, Länge und Süße aufweisen. Die Harmonie wird in dieser Gruppe wesentlich strenger bewertet als in anderen Gruppen. Da auch der Alkohol darauf Einfluss hat, ist eine Obergrenze von 53 % Vol. festgelegt. Spirits, die höher im Alkohol sind, passen im Allgemeinen gut zu Zigarren – höherprozentige besser zu schweren Zigarren, Spirits mit niedrigen 40 % eher zu leichten Zigarren.

Sollte in einer der anderen Kategorien (- -) vergeben worden sein, ist dies auch hier die logische Folge. Einziges "Steuerungselement" ist die Aufwertung um einen Punkt auf (-), wenn ein Produkt in einer Sauberkeitskategorie (- -) aufweist, ansonsten aber perfekt ist.

B. Punktierung pro Kriterium

( - - ) fehlerhaft/sehr schwach - 10 Punkte
( - ) schwach - 13 Punkte
( O ) ok/gut - 16 Punkte
( + ) sehr gut - 19 Punkte
( + + ) außergewöhnlich - 20 Punkte

C. Bewertungsschema

95,3 bis 100 Punkte - DOPPEL-GOLD: Weltklasse, außergewöhnliches Produkt
90 bis 95,2 Punkte - GOLD: Top-Produkt
80 bis 89 Punkte - SILBER: gutes bis sehr gutes Produkt
71 bis 79 Punkte - BRONZE: durchschnittliches Produkt
65 bis 70 Punkte: schwaches oder leicht fehlerhaftes Produkt
bis 65 Punkte: fehlerhaftes Produkt

D. Verbale Beschreibung

Alle Bewertungskriterien werden separat schriftlich begründet und dem Einreicher pro Destillat in Form einer Zusammenfassung überlassen.

E. Veröffentlichung

Es werden alle Spirituosen ab 71 Punkten veröffentlicht - unter dieser Punktegrenze gibt es keinerlei Veröffentlichungen, um Betrieben nicht schaden zu können. In der persönlichen Bewertungsübersicht werden diese Ergebnisse sehr wohl angeführt und dem Einreicher zugesandt.

 

Jedes eingereichte Produkt wird immer von drei Teams (eine Linie) parallel bewertet. Jedes Team setzt sich aus zwei Personen (A/B) zusammen und gibt eine Gruppenwertung ab. Die einzelnen Teams werden so zusammengestellt, dass auf jeden Fall Verkoster A ein Spezialist für die jeweilige Sorte ist. Bei speziellen Produkten wie Whisky usw. ist Verkoster A ein Experte dieser Kategorie oder Gruppe, ergänzt von einem Verkoster aus dem Edelbrandbereich. Der Experte garantiert die Fachkenntnis, der Edelbrandexperte die sensible sensorische Beurteilung. Damit ist gewährleistet, dass die Wertung möglichst objektiv ist und "Tiefe" hat.

Jede Probe wird einzeln abgearbeitet und hinsichtlich der Wertung abgeschlossen. Das Produkt wird von acht Personen verkostet – sechs Jury-Mitglieder, einem Assistenten und Wolfram Ortner. Er trägt die Ober-Verantwortung und ist das „Zünglein an der Waage“ bei nicht eindeutigen Jury-Entscheidungen.

Die Ergebnisse der Bewertungsbögen werden von den Assistenten ausgewertet, wobei bei eindeutigen Gruppenentscheidungen der Durchschnittspunktewert der Mehrheit herangezogen wird, bei Diskrepanzen innerhalb eines Teams der Spezialist die primäre Instanz ist. In Zweifelsfällen entscheidet der Assistent, bei nochmaliger Pattstellung wird ein weiterer Assistent herangezogen. Letzte Instanz für Entscheidungen ist immer der Veranstalter unter Einbeziehung der gesamten Jury.